Judith Anna


Wenn ich zusehe, wie die Natur meine Saat wachsen lässt, sie im nächsten Moment mit einem Unwetter wieder zerstört und sie dadurch noch kräftiger werden lässt, fühle ich mich stets wie ein unwissendes Kind, welches noch viel lernen muss. Die Natur ist eine grosse Lehrerin für mich. Beharrlich und manchmal skrupellos, aber immer in liebevoller Absicht, lehrt sie mich los zu lassen, zu vertrauen und mich dem Rhythmus des grossen Ganzen hinzugeben. Fliessen soll ich. So höre ich wie sie sagt: "Sei beweglich, durchlässig, flexibel!" Doch es geht für mich nicht mehr darum, wie meine Vorfahren von Ort zu Ort zu ziehen oder die Heimat zu verlassen. Sondern sesshaft zu werden, nach Hause zu kommen, um da an einem Ort, kreativ, schöpferisch und beweglich zu sein. Mit dem Sesshaft-Werden kommt in mir eine grosse Ruhe, einen grossen inneren Frieden auf. Ich verwurzle mich mit der Erde, dem Fundament und nehme die Geschichten wahr, welche da in der Tiefe schlummern und gehört werden möchten. Es geht nicht mehr um die Geschichten der Völker, der Dörfer, der Wanderer, welche meine Vorfahren bei ihrem Weiterziehen mitnahmen, um sich diese am Feuer weiter zu erzählen. Es geht um die Geschichten, welche die Erde uns erzählen möchte. Es geht um die Geschichte ihrer Kinder - die Geschichte der Bäume und Pflanzen, der Steine und Gewässer, der Tiere und den anderen Wesenheiten und auch der Mensch als ureigenes, ur-natürliches und von sich aus schönes und liebendes Wesen hat da seinen Platz. Ja und um richtig lauschen zu können muss ich still werden, muss ich mich getragen fühlen von einem kraftvollen Ort und liebevollen Menschen. 

 

"Es geht für mich in diesem Leben darum, im scheinbar gewöhnlichen Stein den Kristall zu finden und diesen zum Leuchten zu bringen."